Volkschule Straden

Standortbezogenes Förderkonzept 2015/2016

Schülerinnen und Schüler ihrer Individualität gemäß grundlegend zu fördern und zu fordern ist seit dem Schuljahr 2005/2006 durch ein verpflichtendes standortbezogenes Förderkonzept gesetzlich neu geregelt.

Der Förderunterricht an der VS Straden wird im Schuljahr 2014/2015 auf allen Schulstufen, in allen Klassen angeboten und integrativ (Parallelklassen) gehalten.
Er erfordert auch die Implementierung der BIST – Bildungsstandards.
Dies entspricht auch den Grundlagen von VIA_Math > Umsetzung seit 2009/2010.

Zielgruppen - Förderunterricht:

Schülerinnen und Schüler mit:
Sonderpädagogischem Förderbedarf
Lerndefiziten, Lernstörungen, Lernschwächen,
Wahrnehmungsstörungen,
Mehrfachbehinderungen,
motorischen Behinderungen,
Legasthenie, Dyskalkulie
Sprachstörungen,
Verhaltensauffälligkeiten, Verhaltensstörungen, Verhaltensbehinderungen,
nichtdeutscher Muttersprache.

Durchführung der Förderungen und Forderungen

A) Konzeption IZA – „Interdisziplinäres Zusatz Angebot“ an Grundschulen

Teilweise, wie zum Beispiel bei Schülerinnen und Schülern mit Mehrfachbehinderungen werden nach den Inhalten der Konzeption IZA – „Interdisziplinäres Zusatz Angebot“ an Grundschulen – gefördert und gefordert (siehe Konzeption).
Dies beruht auf der Möglichkeit, dass Therapeutinnen oder Therapeuten mit dem betreffenden Kind in der Schule arbeiten. Nachhaltig sollen die Inhalte dieser speziellen Förderung im Elternhaus nach genauen Vorgaben weitergeführt werden.

B) Förderung und Forderung

Im regulären Unterricht erfolgen Förderung und Forderung in allen Unterrichtsgegenständen durch Individualisierung und Differenzierung.
Der integrative Förderunterricht wird auf allen Schulstufen vom Parallellehrer der jeweiligen Schulstufe nach genauer Absprache mit dem Klassenlehrer geführt.
In einigen Klassen ist es auf Grund von besonderen Förderbedürfnissen und der vorhandenen Ressourcen auch möglich, dass betroffene Schülerinnen und Schüler noch weitere Förderstunden von Pädagoginnen und Pädagogen von anderen Klassen erhalten können.

C) Verhaltensauffälligkeiten

In Klassen mit Schülerinnen und Schülern, die den Bereichen Verhaltensauffälligkeit, Verhaltensstörung oder Verhaltensbehinderung (beispielsweise bei Traumatisierungen) zuzuordnen sind, konnte wahrgenommen werden, dass alle Unterrichtsstunden durch einen Zweitlehrer oder einer Person für pflegerisch- helfende Tätigkeiten besetzt sind:

Mögliche Varianten sind:

a) Klassenlehrer, Sonderpädagoge, Person für pflegerisch- helfende Tätigkeiten, Physiotherapeutin (ein Mal pro Woche), Coach zur Koordination (ca. drei Mal pro Schuljahr)

b) Klassenlehrer, Person für pflegerisch- helfende Tätigkeiten, Zweitlehrer zur Stützung

 

D) Schülerinnen und Schüler mit nichtdeutscher Muttersprache

Förderung aller außerordentlichen und ordentlichen Schülerinnen und Schüler durch eine dafür ausgebildete Pädagogin.

Ziele der Förderung und Forderung

Förderung und Forderung der Schülerinnen- und Schülerindividualitäten geschehen auf Basis von:

Stärkung des Selbstwertes
Stärken der Stärken
Aufbauen und weiterarbeiten bei den vorhanden Stärken
Positives Lernklima
Positiv gestaltete Lernumgebung (Klassenraumgestaltung, Schulhausgestaltung)
Gelungene Beziehungsarbeit zwischen Lernenden und Lehrenden
Bewegter Unterricht
Kinesiologie
Musik und Tanz
Einsatz verschiedener Medien: Computer, DVD´s, CD-Rom´s, Internet; Lernspiele; Lernprogramme;
Lernmaterialien zum Begreifen, Legen und Darstellen;
Montessori Material
Elterninformation bei allen durchgeführten Maßnahmen
Abbau von Ängsten bei Schülerinnen und Schülern aber auch bei den Eltern

Alle Sinne sollen angesprochen werden …

Mit allen Sinnen erfahren bei der Umsetzung

Bei der Umsetzung der Förderungen und Forderungen sollen alle Sinne angesprochen werden: Sehen, Tasten, Fühlen, Begreifen, Schmecken, Riechen.
Die Darbietung des Lehrstoffes soll in der Reihenfolge Modellieren, Kommunizieren und in weiterer Folge Dokumentieren erarbeitet werden.
Differenzierung bedeutet, dass sich der Lehrstoff den Leistungsmöglichkeiten des Kindes anpassen und alle Sinne ansprechen muss.
In gezielt gestalteten Erarbeitungs- und Übungseinheiten kann der Lehrstoff in Stationen mit allen Sinnen erarbeitet und geübt werden.

Individuelle Förderpläne – IFP

Für jede zu fördernde oder fordernde Schülerindividualität stellt der individuelle Förderplan die Grundlage aller Maßnahmen dar.
Im individuellen Förderplan sind die Ziele, kurzfristige und langfristige, die methodische Umsetzung und die Zielüberprüfung mit möglicher Zielkorrektur festgelegt.

Durchführung des Förderunterrichtes durch:

Klassenlehrerinnen, Klassenlehrer
Sonderpädagoginnen, Sonderpädagogen
Stützlehrerinnen, Stützlehrer

Einen besonderen Stellenwert bei der Durchführung des Unterrichtes im Allgemeinen und im Förderunterricht nimmt die Lehrerpersönlichkeit ein.

Gefordert sind:

Teamfähigkeit
Methodenkompetenz
Soziale und emotionale Kompetenz
Fort- und Weiterbildung zu den geforderten Themenbereichen

An der VS Straden:

Lehrerinnen mit der Ausbildung zum PETUKI (Persönlichkeitstudoren für Kinder);
3 Lehrerinnen besuchten den Lehrgang „Umgang mit verhaltensauffälligen Kindern“;
2 Lehrerinnen besuchen den Lehrgang „Special Needs“;

Durch den Besuch der verschiedenen Fort- und Weiterbildungen der Lehrerinnen und Lehrer der VS Straden zu aktuellen Themen sind auch alle anderen Unterrichtsbereiche sehr gut abgedeckt.

Weitere Unterstützung durch:

Zuständige Bildungsregion Südoststeiermark, Aufsichtsbereich II
Referat für Sonderpädagogik
Beratungslehrerin/Beratungslehrer
Legasthenie-/Dyskalkuliebetreuung
Schulärztin/Schularzt
Medizinische Einrichtungen des Bezirkes
Physiotherapeutin/Physiotherapeut
Logopädin/Logopäde
Psychotherapeutin/Psychotherapeut
Ämter und Behörden
Erziehungshelfer
Helferkonferenzen mit allen Beteiligten

Kompetente Zusammenarbeit im Sinne der Prävention mit den Verantwortlichen der Nahtstellen Kindergarten und weiterführende Schule sind ebenfalls von großer Bedeutung.
Dadurch können rechtzeitig an beiden Nahtstellen die Bedürfnisse erhoben und nachhaltig die notwendigen Schritte eingeleitet werden.

Evaluieren, Zielkorrekturen

Evaluierungen in bestimmten Zeitabständen sind erforderlich und dienen der weiteren Arbeit im Förderunterricht. Hierbei sind die anfangs gesetzten Zielvereinbarungen wichtig und relevant über die Wirkung des Förderunterrichtes.

Durch die Zielüberprüfung kann entweder weitergearbeitet werden, oder die Ziele werden korrigiert und neu vereinbart.

Umsetzung des Förderkonzeptes im Zusammenhang mit der unterschiedlichen Entwicklung von Jungen und Mädchen

Eine sinnvolle und effiziente Umsetzung einer Förderung/Forderung – eines pädagogischen Konzeptes – setzt in jedem Fall die genaue Kenntnis der grundlegenden Entwicklungsgegebenheiten bei Mädchen und Jungen voraus.
Auf Basis der derzeit bekannten Ergebnisse und weiterer Erkenntnisse aus der Gehirnforschung kann bei Jungen und Mädchen ein optimales Fördern/Fordern gelingen.
Erkenntnisse aus der Neurobiologie gewinnen zunehmend an Bedeutung und müssen daher zukünftig auch für PädagogInnen immer wichtiger werden.
In der LehrerInnenausbildung an den Pädagogischen Hochschulen und in der LehrerInnenfort- und Weiterbildung sollte dieses Grundwissen, „Erkenntnisse aus der Gehirnforschung und seine Bedeutung für das Lernen“, als verpflichtend zu buchendes Studienfach eingeführt werden.
Einschlägige Enqueten, Vorträge, Seminare und Workshops zu dieser Thematik können jährlich, in Graz, gegen Jahrsende, gebucht werden.
Veranstalter zu diesen und ähnlichen Themen ist das Wissensforum der Fachzeitschrift „BEHINDERTE Menschen.

Auszug aus einem Fachkongress (November 2011) in Graz zum Thema „Wohnen im eigenen Körper“:

Zitat:

„Dieser internationale Kongress unternimmt den Versuch, die Innensicht von bestimmten Personengruppen mit der Außenperspektive von ExpertInnen aus Wissenschaft und Forschung zu vereinen und so neue Erkenntnisse, Handlungsmöglichkeiten und Potentiale auf dem Gebiet der Begleitung, Pädagogik, Therapie und des Miteinanders zu generieren.
Der Bogen an Vortragenden reicht von Prof. Dr. Wolfgang Tschacher über Univ. Prof. Dr. Andrè Zimpel bis hin zu Prof.Dr. Miguel Lopèz Melero, Prof.Dr. Sang-MooK Lee und weiteren international renommierten Fachleuten.“
Weitere Informationen:

Zeitschrift "Behinderte Menschen" - Wissensforum
Internat. Wissensforumkongress "Wohnen im eigenen Körper"
Gerti Neubauer - Kongressmanagement
A-8010 Graz, Alberstrasse 8
wissensforum@behindertemenschen.at
www.behindertemenschen.at

 

Die nachfolgend angeführten praktischen Beispiele werden sowohl für den allgemeinen Unterricht als auch speziell für den Förderunterricht von den einzelnen KlassenlehrerInnen an der VS Straden wahrgenommen und umgesetzt:

 

Allgemeines:

Es sollen Lernumgebungen geschaffen werden, die sowohl Mädchen als auch Jungen optimal ansprechen und zum Arbeiten verlocken. Gerade die Bereitstellung von Bewegungseinheiten speziell für Jungen muss bei der Unterrichtsplanung berücksichtigt und in der Umsetzung angeboten werden.

Die jeweilige Zielgruppe* der zu fördernden/fordernden SchülerInnen entscheidet über das geeignete und passende Förder/Forderprogramm. Der jeweils erforderliche individuelle Förderplan muss sorgfältig geplant und erstellt werden.

*Zielgruppen: >>> siehe „Standortbezogenes Förderkonzept …“ unter Punkt „Zielgruppen“.

 

Beispiele aus dem Unterricht:

Sessel und Tische sind in einem Klassenraum so angeordnet, dass es jederzeit möglich ist, ohne große Lärmverursachung den Platz zu verlassen, um in Bewegung zu lernen (Bsp: U-Form; eine erste Reihe, dahinter eine zweite Reihe; Vierergruppen; Sechsergruppen; zu zweit;). Dabei werden oft angrenzende Räume neben – oder der Bereich des Ganges vor – der Klasse mitbenützt.

Das Lernen von Gedichten geschieht oft in Bewegung, das heißt, die SchülerInnen gehen leise lesend und denkend in der Klasse und am Gang umher.

Es sind während des Unterrichtes STEHEN, GEHEN, SITZEN am Sessel/am Tisch (auch unterhalb) in verschiedenen Positionen erlaubt. Das Sitzen oder Liegen am Bauch, am Boden (mit oder ohne Polster – allein, im Kreis oder in Kleingruppen), wirkt sich sehr entspannend und auflockernd aus.

Oft wird eine Station mit Seidentüchern, zum Jonglieren und zur Auflockerung als eine von weiteren Stationen angeboten. Das Jonglieren erfordert hohe Konzentration, grazile Bewegungen, stellt eine bunte Vielfalt dar und verursacht aus Rücksicht auf MitschülerInnen keinen Lärm. Das Jonglieren erfordert tänzerische Bewegungen und ist daher dem Tanzen sehr ähnlich. Das Tanzen zählt zu den feinmotorischen Bewegungen. Es ist daher für Mädchen sehr anreizend, interessant und wird von ihnen bevorzugt.

Rollbretter, jeweils mit drei Rädern und einer Lenkvorrichtung, werden von den SchülerInnen während des Unterrichtes als Bewegungseinheit in einer Station benützt. Dieses Angebot wird meist von Jungen angenommen, was wiederum naturgemäß ihrem unermesslichen Bewegungsdrang gerecht wird. Die Bewegung am Rollbrett wirkt sich auch sehr positiv auf verhaltensauffällige Jungen aus. Sie können in der Beschäftigung mit dem Rollbrett und den damit verbundenen Armbewegungen Aggressionen abbauen, was wiederum zur allgemeinen Beruhigung beiträgt.

Walking by talking ist eine Möglichkeit, die für Sprechsituationen gut genützt werden kann und auch für Jungen, die sich in diesem Fall „bewegen“ können, vorteilhaft ist:

einander Erlebnisse erzählen; über einen Text sprechen; der Mitschülerin/dem Mitschüler wertschätzende Worte zur Selbstwertstärkung sagen;
Rechengeschichten erfinden, die zwischendurch auf einem Blatt als Notiz für eine spätere Präsentation skizziert werden; Abmessungen vornehmen und die Ergebnisse notieren; Klassen- Gang- Haus- Grundstücke abschreiten und die Ergebnisse notieren;

Spontane Bewegungseinheiten am Spielplatz vor der Schule und Laufen um die Kirche wird von den PädagogInnen als sehr wertvolle unterbrechende Sequenz während der „normalen Unterrichtsstunden“ und der Förderunterrichtsstunden wahrgenommen, um anschließend wieder gut und sozusagen „frei und frisch im Kopf“ weiterarbeiten zu können.

Kartenspiel mit lesefördernden Inhalten bezüglich Leseverständnis: die vorgegebenen Sätze werden vorgelesen (LehrerIn/SchülerIn); der Inhalt muss nachfolgend dargestellt werden; Bewegungen müssen nach Anleitung ausgeführt werden.

Dies kommt eher Mädchen zugute. Wichtig ist hierbei für Mädchen die Anleitung, da es ihnen naturgemäß nahe liegt, nach genauer Anleitung Tätigkeiten auszuführen.

Auto einparken für fördern und fordern – Spiel für logisches Denken mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden – geeignet sowohl für Mädchen, als auch für Jungen: Jungen können sofort handeln, probieren, experimentieren; Mädchen können sich an den beigefügten Plänen und Anleitungen orientieren und arbeiten.

Das Arbeiten mit Rechenmauern erfordert das Ausprobieren und Experimentieren mit Zahlen in verschiedenen Schwierigkeitsanforderungen.

Es ist für Jungen und Mädchen geeignet.

Besonders im Mathematikunterricht sind Modellieren, Operieren, Problemlösen und Kommunizieren von großer Bedeutung.

Erforderliche Lehr- Lernmittel wurden vor drei Jahren angeschafft und werden nicht nur im Unterrichtsgegenstand Mathematik allgemein sondern auch in den Förderstunden eingesetzt.

In den Förderunterrichtsstunden wird auch mit diversen Lernspielen amComputer gearbeitet: Passende Software zu den einzelnen Schulbüchern in allen Schwierigkeitsgraden (für den Unterricht nach dem Volksschul- und Sonderschullehrplan). Sowohl Jungen als auch Mädchen arbeiten erfahrungsgemäß sehr gerne in einzelnen Unterrichtseinheiten mit dem Computer.

IZA

Die Förderarbeit mit SchülerInnen mit besonderen Bedürfnissen, wie SchülerInnen mit Mehrfachbehinderungen oder Verhaltensauffälligkeiten, Verhaltensstörungen und Verhaltensbehinderungen erfordern von den zu betreuenden PädagogInnen eine besondere Herausforderung in ihrer stündlichen und täglichen Unterrichtsarbeit.